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Begriffe und Denkansätze
Wie die Pfadethik auf die Welt schaut
Was einen Zusammenhang bestehen lässt
Kehren wir zu den beiden Schulen zurück, die zusammengelegt werden sollen. Das neue Gebäude steht schon fest. Weniger klar ist, was aus dem gemeinsamen Alltag wird: Wer kennt die Kinder, wer spricht mit den Eltern, wie werden Schwierigkeiten bemerkt und gelöst? In diesen wiederkehrenden Vorgängen besteht die Schule als sozialer Zusammenhang.
Die Pfadethik nennt einen solchen Zusammenhang über die Zeit einen Pfad. Der Begriff lenkt den Blick auf seine Geschichte, seine eigene Organisation und seine möglichen Fortsetzungen. Räume und Körper gehören zu seinen Bedingungen; Wissen und Beziehungen bestimmen mit, was in ihnen geschehen kann.
Diese Sicht gehört zur Prozessontologie. Ontologie fragt danach, was existiert und wie es besteht. Prozessontologie untersucht das Bestehen von etwas durch Vorgänge und Beziehungen. Für die geplante Zusammenlegung wird daraus eine praktische Frage: Welche Veränderungen ermöglichen, dass Unterricht und gemeinsames Lernen weitergelingen?
Philosophische Gesprächspartner
Baruch Spinoza (1632–1677)
Konzept: Conatus: das eigene Sein erhalten
Der niederländische Philosoph Baruch Spinoza fragt, wie das Streben nach Selbsterhaltung zu dem gehört, was ein Ding ist.
*In der Pfadethik:* Sein Begriff Conatus eröffnet der Pfadethik eine Frage: Weshalb soll die Fortsetzung eines Zusammenhangs auch um seinetwillen zählen?
Alfred North Whitehead (1861–1947)
Konzept: Prozesse und Beziehungen
Der britische Mathematiker und Philosoph Alfred North Whitehead nimmt das Werden zum Ausgangspunkt: Ereignisse entstehen in Beziehungen zu anderen Ereignissen.
*In der Pfadethik:* Die Pfadethik greift diesen Blick auf, um zu erklären, wie ein Verlauf trotz wechselnder Bestandteile zusammenhält.
Gilles Deleuze (1925–1995)
Konzept: Differenz, Virtualität und Affirmation
Der französische Philosoph Gilles Deleuze fragt, wie Neues entsteht und welche Rolle Unterschiede dabei spielen.
*In der Pfadethik:* Die Pfadethik greift diese Frage auf, wenn sie Möglichkeiten der Entwicklung und unterschiedliche Träger von Pfaden untersucht.
Gilbert Simondon (1924–1989)
Konzept: Individuation und Transduktion
Der französische Technikphilosoph Gilbert Simondon fragt, wie eine bestimmte Einheit zusammen mit ihrer Umgebung entsteht.
*In der Pfadethik:* Die Pfadethik nutzt diesen Gedanken, um verschiedene Formen von Kontinuität zu unterscheiden: Festhalten an einer Form und Erhalt durch Weiterentwicklung.
Niklas Luhmann (1927–1998)
Konzept: Kommunikation und Systemgrenzen
Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann untersucht, wie Kommunikation weitere Kommunikation ermöglicht.
*In der Pfadethik:* Die Pfadethik greift die Frage auf, wie ein Zusammenhang nach eigenen Regeln weiterarbeitet und dabei mit seiner Umgebung verbunden bleibt.